Wie angekündigt ein paar Bemerkungen zum Friedensplan von Precht, wie er ihn in dem Talk bei Pinar Atalay mit Banaszak darlegt.
Precht erklärt in der 21. Munute: „Es gibt mehrere Motive für diesen Angriffskrieg. Das ist nicht mit einem einzigen Argument zu sagen. Natürlich spielt die NATO-Osterweiterung eine zentrale Rolle….“ Und kommt dann in der 25. Minute zu dem Schluss: „Die Sache ist die: Der Krieg in der Ukraine geht dann zu Ende, wenn wir bereit sind, mit den Russen über die NATO-Osterweiterung zu sprechen. Das sind wir nicht. Aber wenn wir bereit sind, darüber zu sprechen und im zweiten Schritt eine KSE 2.0 überlegen und sagen: Wie könnte denn eine Sicherheitsarchitektur in Europa aussehen, die sowohl die westlichen Sicherheitsinteressen, die Sicherheitsinteressen der Ukraine und die Sicherheitsinteressen Russlands berücksichtigt? Das ist der Punkt. So wird der Krieg auch ausgehen. Aber es wird noch ewig dauern, bis wir da auf den Dreh kommen.
Wir werden noch ein, zwei Jahre lang in der Ukraine Menschen sterben sehen. Die Russen, die da an die Front geschickt werden, werden sterben. Wir lernen so langsam dazu, wie wir zu einem Frieden kommen können. Aber außer „Stärke kann nur mit Stärke beantwortet werden“ und so diesen üblichen dummen Sprüchen fällt uns dazu nichts ein.“ (25. Min.)
Es ist verständlich, dass in einem teilweise hitzigen Gespräch, Worte vergessen werden, die man gerade gesagt hat, aber der Übergang von mehreren Motiven für einen Angriffskrieg zu der Prechtschen Lösung, man müsse mit Putin nur über die NATO-Osterweiterung sprechen und schon wird der Krieg zu Ende gehen, ist nicht nur ein heftiger Sprung sondern auch eine gefährliche Vernachlässigung der anderen Motive, die vielleicht essenziell für eine Fortsetzung des Krieges sein könnten.
Aber was heißt eigentlich mit Putin über die NATO-Osterweiterung sprechen? Vielleicht hätte Precht das noch vertieft, wenn ihm die Zeit gegeben wäre, so muss ich versuchen herauszufinden, was Precht damit gemeint haben könnte. Da er anschließt „Das sind wir nicht.“, kann er wohl nicht nur die grundsätzliche Gesprächsbereitschaft des Westens in Frage gestellt haben, denn das wäre tatsächlich albern. Wir, der Westen, wären sicherlich bereit, Putin zu erläutern, wie es zu dieser Osterweiterung gekommen ist. Also kann er wohl nur meinen, was Putin bereits vor der Vollinvasion, gefordert hat: die Rückabwicklung der Erweiterung als Vorbedingung für Gespräche. Das wäre nun die Basis für Friedensverhandlungen, auf die Putin möglicherweise einsteigen würde. In diesem Fall bin ich mir sicher, dass nicht einmal Orban das wollte.
An diesem Punkt wird besonders deutlich, wie der verständliche Friedenswunsch von Precht ins Leere laufen würde. Vielleicht sollte man Precht einmal fragen, wie er es finden würde, wenn Deutschland auf Putins Wunsch die NATO verlassen würde oder müsste. Vielleicht würde er noch großzügig auf die ehemalige DDR verzichten, denn „kein Schritt in Richtung Osten“ ist sicher auch sein Credo.
Die These von Precht geht aber weiter: wir müssen also nur bereit sein, darüber zu sprechen und schon sind wir im zweiten Schritt, um friedlich und gemeinsam eine neue Sicherheitsarchitektur KSE 2.0 aufzubauen. Ein solches Wunschdenken haben wir sicher alle, ob es in einem öffentlichen Talk angebracht ist, will ich dahingestellt sein lassen. Wenn er jedoch mit dem Satz „Aber es wird noch ewig dauern, bis wir da auf den Dreh kommen.“ dem Westen Friedensunwilligkeit unterstellt und ihm die Schuld für die Fortsetzung des Krieges in die Schuhe schiebt, macht mich das sprachlos.
Ich muss hier einschieben, dass ich mal ein Precht-Fan war, will aber nicht erklären, wie das wieder verlorengegangen ist, dennoch halte ich Precht für so klug, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass er glaubt, dass Wunschdenken jemals einen Krieg beendet hat. Doch, ein historisches Beispiel fällt mir ein, Friedrich hatte gewiss den Wunsch, dass Zarin Elisabeth das Zeitliche segnet und der Friedrich-Fan Peter an die Macht kommen würde. Was dann tatsächlich geschah und der 7-jährige Krieg für Friedrich noch ein halbwegs erfolgreiches Ende nahm. Ich glaube aber nicht, dass Friedrich von diesem Wunschdenken – wenn es denn tatsächlich vorhanden war – jemals geleitet wurde. Und soll das wirklich noch bis in das 7. Jahr gehen.